Liebe Leserinnen und Leser,

die Uhr tickt. Bekommen Union, SPD und Grüne den Kompromiss hin und beschließen gemeinsam die Sondervermögen zu Verteidigung und Infrastruktur? Am Wochenende hatten die schwarz-roten Unterhändler ihr Sondierungspapier veröffentlicht und dadurch vor allem die Sorgen genährt, es gehe ihnen weniger um die zusätzlichen Investitionen als um die Vermeidung ernsthafter Reformen – und das Verteilen teurer Wahlgeschenke. Gut, wenn Union und SPD zum Nachsteuern gezwungen werden. Aber auch gut, wenn überhaupt etwas kommt. Meine Einschätzungen zu den Sondervermögen konnten Sie vergangene Woche hier im Blog finden; meine Einordnung – auch zu den wenigen und wenig konkreten Aussagen zu Bildung und Forschung – lesen Sie in diesem Newsletter.

Unterdessen plant das US-Bildungsministerium die Entlassung der Hälfte seiner Mitarbeiter, Donald Trump erhöht weiter den Druck auf die Wissenschaft – und in Deutschland setzt sich die Debatte fort, ob jetzt "der richtige Moment" sei, "um US-Spitzenforscher nach Deutschland zu holen". Wenn es darum geht, bedrohten Wissenschaftlern Zuflucht zu bieten: einverstanden. Vermeiden sollten wir den Eindruck einer krisengewinnlerischen Motivation, den jahrzehntelangen Brain Drain im Verhältnis zur US-Wissenschaft schlagartig zu einem "Brain Gain" umdrehen zu wollen. Erstens: Weil die gegen den Autoritarismus kämpfenden amerikanischen Hochschulen jetzt unsere Solidarität brauchen, nicht unsere Konkurrenz. Zweitens: Weil in Deutschland gerade viele Bundesländer so heftig an der Wissenschaftsfinanzierung sparen, dass die Kapazitäten gar nicht da wären. Und von den Ambitionen, die wissenschaftlichen Karrierewege transparenter, planbarer und damit auch international konkurrenzfähiger zu machen, bleibt vorerst auch nur das Warten auf die Empfehlungen des Wissenschaftsrats.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre dieses Newsletters

Ihr Jan-Martin Wiarda

2030 fast 700.000 Kinder weniger in den Kitas: Die Rettung für das überlastete Bildungssystem?

Kitas, Grundschulen, Gymnasien – überall mangelt es an Lehr- und Fachkräften, Ausstattung, Platz. Wird der dramatische Geburtenschwund bald diese Probleme lösen?
Umfrage: Große Mehrheit will einen wissenschaftlichen Chefberater
Gehört ein Vertreter der Wissenschaft an den Kabinettstisch? Ja, sagen 76 Prozent der Deutschen – und plädieren zugleich mehrheitlich für einen neuen Zuschnitt des bisherigen Ministeriums für Bildung und Forschung.

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Eine kalkulierte Provokation
Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung sorgte mit umstrittenen Aussagen zu den Hochschulen für Aufregung. Warum hat er das gemacht?
Befreit die Wissenschaft aus der Bürokratisierungsfalle!
Die wettbewerbliche Finanzierung der Wissenschaft soll der Steigerung von Qualität und Effizienz dienen. Tatsächlich führt die ständige Konkurrenz um Fördermittel zur Lähmung der wissenschaftlichen Arbeit. Doch es gibt einen Ausweg. Ein Gastbeitrag von Stefan Kühl.

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Der 4,5-Miliarden-Lackmustest
Das Sondierungspapier von Union und SPD erhöht die Befürchtungen, der nächsten Koalition könnte die Finanzierung heutiger Wohltaten wichtiger sein als Zukunftsinvestitionen. Immerhin gibt es Hoffnungszeichen – und für Bildung und Wissenschaft ein paar ambitionierte Ankündigungen. Nur: Kann man sie ernstnehmen?
"Wir brauchen einen ko-konstruktiven Föderalismus"
Der Bildungsforscher Kai Maaz über die Frage, wie die demokratischen Parteien die Diskurshoheit zurückerobern können – und was das mit der Reform unseres Bildungssystems zu tun hat.

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Mein Wunsch an die Bildungsrepublik

Heute von Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW):
 
"Mein Wunsch für unsere Bildungs- und Wissenschaftspolitik ist die echte Beteiligung aller (Lehrkräften, Eltern und Schüler*innen und deren Organisationen sowie der Zivilgesellschaft) an der Entwicklung unseres Systems und bei der Entwicklung von Maßnahmen zur Verbesserung zu einem System mit gleichen Bildungschancen.

Foto: Kay Herschelmann.

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