Liebe Leserinnen und Leser,

es sind die Hoffnungssignale, auf die wir alle so dringend warten in diesen Tagen. Nachdem die Columbia-Universität unter dem Druck der Trump-Administration eingeknickt war, stellte sich vergangene Woche zunächst Princeton-Präsident Christopher Eisgruber dagegen und verkündete, er sei angesichts der Forderungen der Regierung zu keinen Zugeständnissen bereit. Diese Woche folgte Harvard-Präsident Alan M. Garber.
 
"Am späten Freitagabend veröffentlichte die Regierung eine aktualisierte und erweiterte Liste von Forderungen und warnte, Harvard müsse diese erfüllen, wenn wir unsere 'finanziellen Beziehungen zur Bundesregierung aufrechterhalten' wollen", schrieb Garber am Montag an die Harvard-Community. Die Liste mache deutlich, dass es nicht darum gehe, kooperativ und konstruktiv gegen Antisemitismus vorzugehen. 

"Obwohl einige der Forderungen der Regierung auf die Bekämpfung von Antisemitismus abzielen, handelt es sich bei den meisten um eine direkte staatliche Regulierung der intellektuellen Bedingungen in Harvard." Und weiter: "Wir haben die Regierung über unseren Rechtsbeistand darüber informiert, dass wir die vorgeschlagene Vereinbarung nicht akzeptieren werden. Die Universität wird weder ihre Unabhängigkeit noch ihre verfassungsmäßigen Rechte aufgeben." Keine Regierung gleich welcher Partei dürfe, so Garber, privaten Universitäten vorschreiben, "was sie lehren dürfen, wen sie zulassen und einstellen dürfen und welche Studien- und Forschungsbereiche sie verfolgen dürfen." 
 
Welch wunderbare und wunderbar mutigen Worte – mit denen Harvard wie Princeton sehenden Auges den Verlust großer Summen an Bundesgeldern in Kauf nahm. Die Reaktion aus Washington folgte prompt: Rund 2,3 Milliarden Dollar an mehrjährigen Zuschüssen und Verträgen wurden auf Eis gelegt. Die Verluste will Harvard teilweise per Kreditaufnahme abfangen. 

Columbia hatte sich im Gegensatz unter anderem dazu bereit erklärt, ihre Richtlinien für Proteste, Sicherheitspraktiken zu überarbeiten und die Selbstverwaltung der Departments für Nahost-, Südasien- und Afrika-Studien einzuschränken. Ob die Universität dafür die 400 Millionen Dollar an Bundesgeldern zurückbekommt, die ihr die Regierung nach eigenen Angaben vorenthalten hat, ist trotzdem unsicher. Laut Wall Street Journal und New York Times steht jetzt sogar ein sogenanntes Consent-Decree-Verfahren im Raum, bei dem ein Bundesrichter über vier Jahre die Einhaltung von Leitlinien durch die Universität überwachen würde und bei Verstößen Bußgelder verhängen könnte. Auch einem solchen Verfahren müsste die Uni zustimmen, es wäre die nächste Demütigung. Entsprechend regen sich jetzt auch an der Columbia die Proteste vor allem von Wissenschaftlern: Das sogenannte Board of Trustees müsse sich endlich gegen Trumps Angriffe zur Wehr setzen. Vorsichtig trotzige Töne kommen selbst von der amtierenden Columbia-Präsidentin Claire Shipman. Laut Studierendenzeitung stellte sie klar, dass übermäßige Forderungen zur Führung der Universität, zum Prozedere der Präsidentensuche oder zum konkreten Umgang mit Meinungsvielfalt "nicht Gegenstand von Verhandlungen" mit der Regierung seien.

Wie es nach seiner Unbeugsamkeitsrede für Harvard-Präsident Garber und seine Universität weitergeht, was in Princeton passiert, wenn es auch dort um deutlich mehr geht als die derzeit gut 200 Millionen Dollar an gestrichenen Zuschüssen, und wie lange die wohlhabenden Geldgeber beiden Hochschulleitungen den Rücken decken: Wir werden sehen. 
 
Fest steht: Die Erkenntnis, dass Nachgeben zu nur noch mehr Forderungen des Trump-Lagers führt, stärkt an den US-Unis offenbar gerade den Widerstandsgeist. So, wie man es zumindest von den privaten Institutionen mit ihren teilweise vielen Milliarden an Stiftungsvermögen eigentlich auch erwarten sollte. Freuen wir uns daran.


Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre dieses Newsletters.

Ihr Jan-Martin Wiarda

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