Liebe Leserinnen und Leser,

kennen Sie die Deutsche Digitale Bibliothek und ihre Angebote? Wenn nein, sollten Sie dringend mal auf deren Portal klicken. Danach werden Sie umso besorgter sein, wenn Sie, siehe unten, von den ihr drohenden Einsparungen lesen.
 
Außerdem in dieser Woche: Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern spricht über die künftige Finanzarchitektur der Wissenschaft, Bremens Schulsenator Mark Rackles sagt, wie er das scheinbar ewige Schlusslicht zum bildungspolitischen Streber machen will. Im Gastbeitrag fragt Nils Hansson, ob die Promotion noch eine Dissertation braucht. Und ich habe recherchiert, was eigentlich aus dem angekündigten Antisemitismusbeauftragten für die Berliner Hochschulen geworden ist.
 
Erstmals in diesem Newsletter, ganz unten, erscheint die neue Rubrik "Der eine Satz". Sagen Sie mir gern, was Sie davon halten. Und bitte beachten Sie auch den Hinweis in eigener Sache: Die Blog-Finanzierung ist aktuell dramatisch schlecht.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre dieses Newsletters.

Ihr Jan-Martin Wiarda

Die gefährdete Architektur der Wissenschaft

Bund und Länder ringen in der GWK um die künftige Wissenschaftsfinanzierung – und um ihre eigene Handlungsfähigkeit.

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"Wir wollen Streber werden"
Bremens Bildungssenator Mark Rackles über neue verbindliche Bildungsziele und seinen Fünfjahresplan bis 2031, über den Mut zum Andersmachen in den Schulen – und die Arbeitszeit von Lehrern.

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Braucht eine Promotion noch eine Dissertation?

Über neue Formen wissenschaftlicher Leistung, Prototypen statt Texte und die Frage, was Promotionen im Zeitalter der KI ausmacht. Ein Gastbeitrag von Nils Hansson.


Sparen am kulturellen Gedächtnis


Mit Sorge beobachten wir, wie die Trump-Regierung Datenbanken abschalten lässt, wie sie den Zugang zu wissenschaftlichen Daten einschränkt oder die Finanzierung weltweit genutzter Datenbanken zur Klima- oder Gesundheitsforschung infrage stellt. Ein Angriff auf die Wissenschaft. Wir können froh sein, dass in Deutschland die Regierungen von Bund und Ländern zusammenstehen in ihrem Bekenntnis zu einer freien und florierenden Wissenschaft. Umso unverständlicher ist es, dass gerade in dieser Lage die Regelfinanzierung der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB) unter existenziellen Druck geraten ist.

Der Webauftritt der DDB ermöglicht seit 15 Jahren den kostenfreien Zugang zu Millionen digitalisierter Objekte aus Archiven, Bibliotheken und Museen. Sie ist damit ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Gedächtnisses unserer Gesellschaft, das noch dazu ständig wächst: Hunderte von Museen, Archiven, Bibliotheken oder Gedenkstätten liefern ihre Daten an die DDB, deren Schatz inzwischen mehr als 64 Millionen Objektnachweise, davon über 26 Millionen sogenannte Digitalisate, umfasst: Bilder, Text, Audio, Video, 3D, die Mehrheit per freier Lizenz nutzbar. Das Deutsche Zeitungsportal wird dadurch gespeist, das Archivportal-D, aber auch Themenportale zum Kolonialismus oder zu rechter Gewalt. Bemerkenswert ist, dass internationale KI-Systeme ihre Antworten zu deutscher Sprache, Geschichte und Kultur nach Angaben der DDB zunehmend aus ihren Datenbanken speisen.

Wem das zu theoretisch klingt, der muss nur einen Blick auf die aktuelle DDB-Startseite werfen. Von "Glitz und Glamour bei den Internationalen Filmfestspielen" in Berlin über "Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg" bis zur Beschreibung des Bereisungs- und Schleppdampfers "Welle". Und ganz oben: der direkte Suchzugang zur gesamten Bibliothek.

All das kostete Bund und Länder zuletzt 4,4 Millionen Euro pro Jahr. Doch angesichts der Haushaltskrise ist ihnen das zu viel. Von diesem Jahr an soll die DDB rund 20 Prozent einsparen. Und für 2027 und die Folgejahre könnte es noch schlimmer kommen. In der Bundesregierung werden dem Vernehmen nach Szenarien durchgespielt, die auf eine Halbierung des DDB-Budgets hinausliefen. Das würde der Deutschen Digitalen Bibliothek wohl den Garaus machen: Die meisten der zurzeit 37 Mitarbeiter müssten entlassen werden, in der Folge gäbe es keine neuen Datenbestände mehr, keine Kommunikation mehr in Wissenschaft und Öffentlichkeit hinein, womöglich sogar die Abschaltung des DDB-Hauptportals.

Es ist verständlich, dass wir uns über die ideologischen Angriffe auf Forschungsdaten in den USA empören. Parallel sollten wir nicht aus sparpolitischer Ignoranz heraus unsere eigene digitale Wissensinfrastruktur demontieren.

Wo bleibt der Antisemitismus-Beauftragte für die Berliner Hochschulen?

Wegen der Übergriffe auf jüdische Studierende und antisemitischer Parolen wollen SPD und CDU einen Antisemitismus-Koordinator für alle Berliner Unis schaffen. Doch die Besetzung der Stelle zieht sich. Was läuft da schief?

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Worauf warten wir?

Wie die Demokratie jetzt in Hörsälen, Bibliotheken und Mensen verteidigt werden muss. Ein Gastbeitrag von Matthias Anbuhl.


In eigener Sache
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