Liebe Leserinnen und Leser,

zwei Nachrichten ploppten diese Woche bei mir fast gleichzeitig auf. Erstens: Als erstes EU-Land beschließt Frankreich ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 15 – und das, obwohl die Europäische Union vor nationalen Alleingängen gewarnt hatte. Zweitens: Vier von fünf Studierenden, die das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) befragt hat, nutzen KI-Tools mindestens wöchentlich, fast die Hälfte sogar täglich – während sie das Angebot ihrer Hochschulen zum Erwerb von KI-Kompetenzen weiter nur als mäßig bewerten.

Gemeinsam haben beide Meldungen dieselbe Erkenntnis: Die Lebenswirklichkeit junger Menschen verändert sich rapide, genauso wie die technologischen und sozialen Rahmenbedingungen, unter denen sie aufwachsen und reifen sollen; das Verhältnis und die Bedeutung formeller und informeller Bildung verschieben sich. Welche Antworten angemessen sind, unterscheidet sich dabei je nach Alter und Kontext grundlegend. Das Gemeinsame aber ist: Politik und Bildungsinstitutionen versuchen Schritt zu halten zwischen Verboten und Befähigung zum Umgang und schwanken in ihren Reaktionen mitunter zwischen Aktionismus und lähmender Langsamkeit.

In Deutschland wird die Debatte um ein Social-Media-Verbot nach der Sommerpause in die heiße Phase gehen. Bundesbildungs- und -familienministerin Karin Prien (CDU), die nach der Veröffentlichung der Empfehlungen ihrer Expertenkommission Ende Juni ebenfalls für eine gesetzliche Altersgrenze von 13 Jahren plädierte, setzt bislang auf eine europäisch abgestimmte Lösung. Mit Frankreich hatte sie gerade erst vereinbart, sich auf EU-Ebene gemeinsam für eine harmonisierte Altersgrenze einzusetzen. Dass Paris trotzdem schon mal national vorgeprescht ist, zeigt: Die Ungeduld wächst offenbar schneller, als die europäische Koordination vorankommt.

Ich verabschiede mich mit Blog und Newsletter zum ersten Mal seit deren Bestehen in eine längere Urlaubspause. Konkret: Der vorerst letzte Beitrag im Blog erscheint am kommenden Montag, den 27. Juli. Die reguläre Kommentierung und Berichterstattung geht dann erst Mitte August wieder los, der erste Newsletter nach der Pause erscheint am 20. August. Es kann aber durchaus sein, dass ich mich zwischendurch zu Wort melde im Blog, wenn es thematisch drängt. Ich hätte gegen ein paar nachrichtenarme Wochen in der Bildungs- und Wissenschaftspolitik aber wenig auszusetzen. Vielleicht geht es Ihnen ja ähnlich. Und ich freue mich, wenn Sie für die Pause von Blog und Newsletter Verständnis haben.

Jetzt wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre und dann ein paar schöne Sommerwochen!


Ihr Jan-Martin Wiarda

Mehr BAföG – aber nicht für alle

Die verschobene BAföG-Novelle soll demnächst ins Bundeskabinett gehen. Sie verspricht mehr Geld und weniger Bürokratie – verschärft zugleich aber die Altersgrenze und benachteiligt zu Hause wohnende Studierende.

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Der Aufbruch, der nicht scheitern darf

Karin Priens Startchancen-Gesetz verspricht für die frühkindliche Bildung bundesweite Qualitätsstandards, gezielte Förderung und einen neuen Blick auf Kitas als Bildungseinrichtungen. Trotz berechtigter Kritik an der sinkenden Bundesfinanzierung sollten die Länder diese Chance im Bundesrat nicht gefährden.

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Setzt Konkurrenz unter Studierenden richtig ein!

Mehr Transparenz über den eigenen Leistungsstand im Vergleich zu Mitstudierenden wirkt erstaunlich gut. Entscheidend ist allerdings, welche Botschaft Studierende bekommen – und welche besser nicht. Ein Kommentar.

"Die eigene Vergangenheit noch einmal in Erinnerung rufen"

Die Universität des Saarlandes hat 13 Ehrenwürden wegen NS-Belastungen aberkannt. Präsident Ludger Santen über historische Verdienste, die Grenzen öffentlicher Ehrung und die Botschaft systematischer Aufarbeitung in einer Zeit, in der die demokratische Grundordnung unter Druck gerät.

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Bologna abschaffen heißt Anschluss verlieren

Die AfD will Bachelor und Master in Sachsen-Anhalt abschaffen. Doch bislang wird kaum diskutiert, welche dramatischen Folgen ein Bologna-Rückbau für Mobilität, Kooperationen und die internationale Attraktivität der Hochschulen hätte. Ein Gastbeitrag von David Akrami Flores.

"Wir haben keine Bodenschätze, aber wir haben Kinder"

Bernd Siggelkow hat die Arche gegründet. Jetzt will er für die CDU ins Berliner Abgeordnetenhaus. Ein Podcast über den jahrzehntelangen Kampf gegen Kinderarmut, über Schulen, die sich am Kind orientieren müssten – und über den Versuch, Politik von innen zu verändern.

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In eigener Sache: Kostenpflichtiger Archivzugang 
Seit dem 1. Juni 2026 hat der Blog einen kostenpflichtigen Archivzugang. Neue Artikel bleiben frei zugänglich, ältere Texte wandern nach vier Wochen in den Unterstützerbereich, der schrittweise weitere Funktionen erhalten wird. Bestehende Unterstützer bekommen den Zugang selbstverständlich ohne zusätzliche Zahlung – unabhängig von ihrem künftigen Commitment.

Einen herzlichen Dank an alle, die bereits mithelfen. Und falls Sie es noch nicht tun: Vielleicht ist die Einführung des Unterstützerbereichs ja auch für Sie Anlass, darüber nachzudenken. Die Höhe bleibt weiter Ihre Entscheidung, für Institutionen gebe ich auf Anfrage gern Anhaltspunkte.

Das Ziel bleibt: möglichst viel von der Berichterstattung frei zugänglich halten – getragen von denen, die sie möglich machen.

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Beste Grüße
Ihr Jan-Martin Wiarda

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Alles außer Geld ­-
Mein Wunsch an die Bildungsrepublik

Heute von Andreas Knieriem, Direktor Zoo und Tierpark Berlin:

"Mein Wunsch für die Bildungsrepublik: Dass jedes Kind die Natur nicht nur aus Büchern, Filmen und Apps kennt, sondern regelmäßig erlebt und in ihr lebt. Nur wer als Kind die Vielfalt des Lebens entdeckt, entwickelt Verantwortung, Wissen und Zukunftsmut – prägend für ein ganzes Leben."

Foto: Zoo Berlin.


Der nächste Newsletter erscheint am 20. August. 
Bis dahin wünsche ich Ihnen eine schöne Sommerzeit!

 
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