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Liebe Leserinnen und Leser,
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seit Sonntagabend ist die Aufregung in Teilen der Öffentlichkeit groß: Clan-Chef Issa Remmo und ein der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) nahestehender Aktivist auf der Wahlparty der Neuköllner Linken, der Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak wegen seiner Kontakte zu einem Remmo-Sohn unter Druck, dazu die seit Langem schwelenden Antisemitismusvorwürfe gegen Teile der Berliner Linken – und nun auch noch die Aussicht auf eine linke Regierende Bürgermeisterin?
Der Zentralrat der Juden spricht von einem "systematischen Muster", bei dem Antisemitismus in Teilen der Linken verharmlost werde, und warnt SPD und Grüne: Wer der Berliner Linken den Weg ins Rote Rathaus ebne, "gefährdet unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt und das jüdische Leben in der Hauptstadt".
Auch die Pläne der Linken zur Vergesellschaftung großer Immobiliengesellschaften bestimmen die Schlagzeilen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wandte sich gegen die "Enteignungen von privatem Eigentum" und kündigte an, das bereits geplante Bundesgesetz gegen solche Vergesellschaftungen nun "relativ schnell" voranzutreiben. Während Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder drohte, im Falle einer Linke-geführten Regierung den Länderfinanzausgleich und den gerade erst neu vereinbarten Hauptstadtvertrag auf den Prüfstand zu stellen: Bayern und der Bund könnten nicht "endlos Geld zahlen" für eine Politik, die Berlins wirtschaftliche Schwäche noch verstärke.
Moment. Hatte Söder nicht neulich noch bei "Maischberger" Überlegungen, einem AfD-regierten Sachsen-Anhalt über den Länderfinanzausgleich den Geldhahn zuzudrehen, als "absurd" bezeichnet und gesagt, man müsse das System zwar generell ändern, aber nicht zur Bestrafung eines Landes nutzen?
Was insgesamt auffällt: Seit der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus ist es erstaunlich ruhig geworden in der bundespolitischen Debatte und den überregionalen Medien zu den Konsequenzen des 44-Prozent-Wahlsiegs der AfD, die im Magdeburger Landtag schon bald nach dem Amt des Ministerpräsidenten greifen könnte. Den Rechtsextremen wird es recht sein. So können sie in Ruhe ihre Planungen vorantreiben. Die konstituierende Landtagssitzung findet am 6. Oktober statt. Theoretisch könnte schön dann der Regierungschef gewählt werden, auch wenn der Vor-Ältestenrat bislang sich noch auf keinen Termin für die Wahl verständigt hat und die AfD selbst laut MDR auf den November schielt.
Wie verhält sich das BSW? Diese Frage wird am Ende so entscheidend sein wie die Geschlossenheit der übrigen Parteien, vor allem der CDU, wenn diese Ulrich Siegmund noch verhindern wollen. Am Mittwoch lud die SPD für den 29. September zu Gesprächen über einen überparteilichen Ministerpräsidenten ein, und zwar alle im Landtag vertretenen Parteien bis auf die AfD – also auch das BSW. Grüne und Linke sagten zu. Die CDU wollte laut MDR intern noch über die Teilnahme beraten, auch das BSW hat noch nicht zugesagt.
Unterdessen hat die AfD eine andere Sitzordnung im Landtag verlangt. SPD, Grüne und Linke sollen an die Ränder rücken, AfD und BSW dagegen in der Mitte des Plenarsaals sitzen, berichtet ebenfalls der MDR. Und die AfD will die größeren Fachausschüsse von elf auf zwölf Mitglieder erweitern. AfD und BSW kämen darin zusammen voraussichtlich auf sieben der zwölf Sitze.
Wir sollten über der Berliner Aufregung nicht vergessen, was da gerade Historisches in Magdeburg passiert.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre dieses Newsletters!
Ihr Jan-Martin Wiarda
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Sind Deutschlands Schulen wirklich besonders ungerecht, Herr Niedermöller?
Arnd Niedermöller leitet ein Berliner Gymnasium und ist Vorsitzender der Bundesdirektorenkonferenz. Er sagt: Zwei zentrale PISA-Erzählungen über Deutschland greifen zu kurz – die vom international außergewöhnlichen Leistungsabsturz und die von der überragenden Bedeutung der sozialen Herkunft.
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Kein Beleg für Wissensabfluss am CISPA
Die Sonderprüfer bescheinigen dem Institut aber gravierende Mängel bei Forschungssicherheit und Leitung. Viele Fragen zu Forschungsdirektor Backes und zur Rolle des BMFTR bleiben damit bislang offen.
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Vorerst unkommentiert (1): Nicht vor dem 2. Oktober
Vier Wissenschaftler der LMU München machen Vorschläge, wie Deutschlands Hochschullandschaft radikal reformiert werden sollte. Vieles davon ist diskussionswürdig. Doch das Timing ihres Gastbeitrags macht es schwer, diese Diskussion schon jetzt zu führen.
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Erst zuhören, dann regulieren
Was junge Menschen der Expertenkommission über Social Media gesagt haben, warum Ursula von der Leyens KIDS Act in dieselbe Richtung weist – und warum der Tankrabatt dazu gerade einen interessanten Kontrast bietet.
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Pflichtfach ohne Lehrkräfte
Immer mehr Bundesländer führen Informatik verbindlich ein, doch es fehlt massiv an Personal. Felix Streiter über den großen Engpass bei Lehrkräften und wissenschaftlichem Nachwuchs – und wie die Carl-Zeiss-Stiftung mit einem Promotionskolleg für Informatikdidaktik gegenhalten will.
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Nicht rechtlos und nicht wehrlos
Der strukturelle Abbau der deutschen Hochschullandschaft läuft auf Hochtouren, Gebäude verfallen, Studiengänge schließen. Die Hochschulen müssen diese Entwicklung aber nicht nur verwalten. Sie besitzen politische und rechtliche Handlungsmöglichkeiten. Ein Gastbeitrag von Mathias Neukirchen.
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"Diese Mutter konnte es keinem recht machen"
Sabine Andresen ist Präsidentin des Kinderschutzbundes. Ein Podcast über Kindeswohlgefährdungen, Prävention und Kinderrechte mit Lücken.
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Veritabler Spagat
ES IST EINE Beschlussempfehlung, die irgendwo zwischen erstaunlich und seltsam rangiert, die drei Bundesrats-Ausschüsse da formuliert haben. Es geht um die Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG), der am Freitag in der Länderkammer verhandelt werden soll.
Sie erinnern sich: Ende Juli hatte die Bundesregierung den Gesetzentwurf beschlossen. Erste Qualifizierungsverträge sollen vor der Promotion in der Regel mindestens drei Jahre laufen, danach mindestens zwei. Eine verbindliche Dauerperspektive für Postdocs – der Punkt, an dem sich, Stichwort #IchbinHanna-Debatte, die Ampel einst entzweit hatte – ist dagegen nicht vorgesehen, ebenso wenig eine Lockerung der sogenannten Tarifsperre. Zugleich können Hochschulen über Drittmittel weiter kürzere Verträge vergeben.
Genau an diesen Punkten setzen die Bundesrats-Ausschüsse jetzt an – allerdings in bemerkenswert gegensätzliche Richtungen.
Der Finanzausschuss formuliert in maximal unverblümter Weise, dass die Finanzpolitiker der Länder die Hochschulen zum Erreichen ihrer Sparziele brauchen – und die WissZeitVG-Reform sie dabei stört. Die geplanten Mindestvertragslaufzeiten und deren Verhältnis zur projektbezogenen Drittmittelfinanzierung nähmen den Hochschulen "zunehmend die Flexibilität, in den nächsten Jahren Einsparbeiträge zur Konsolidierung der Länderhaushalte erbringen zu können". Denn größere Einsparungen könnten angesichts der schwierigen Haushaltslage "im wissenschaftspolitischen Bereich im Schwerpunkt nur bei den Hochschulen erbracht werden".
Soll heißen: Bei den Außeruniversitären lässt sich nicht so gut sparen, was stimmig ist, denn zumindest der jährliche 3-Prozent-Zuwachs der Großen ist über den Pakt für Forschung und Innovation (PFI) vorerst bis 2030 abgesichert. Was auch stimmt: Schon jetzt werden aus Haushaltsnot an vielen Hochschulen von Leipzig über Gießen bis Berlin trotz aller Debatten über verlässlichere Karrierestrukturen vor allem die Stellen für befristete Jung-Wissenschaftler abgebaut.
Der Kultur- und der Arbeitsausschuss argumentieren in der Beschlussempfehlung derweil fast genau andersherum. Das WissZeitVG, schreiben sie, regele zwar, wie lange jemand befristet werden dürfe, aber nicht ausreichend, "was nach Abschluss der wissenschaftlichen Qualifizierungsphase passiert". Deshalb solle geprüft werden, ob Befristungen nach der Promotion künftig mit einer "verbindlichen Karriereperspektive" verknüpft werden können – etwa durch Tenure-Track-Modelle mit vorher festgelegten Entfristungskriterien oder durch dauerhafte wissenschaftliche Stellen neben der Professur. Klingt verdächtig ähnlich zu dem, worauf sich einst die Ampel nicht einigen konnte.
Die gemeinsame Drucksache für die Bundesratssitzung vereint die Empfehlungen der Ausschüsse auf vier Seiten zu einem Dokument, das wissenschaftspolitisch einen veritablen Spagat hinlegt – und, sollte die Länder-Stellungnahme zum WissZeitVG-Gesetzentwurf vom Bundesratsplenum so beschlossen werden, das Gegenteil einer starken Länderposition wäre. In der Bundesregierung dürfte das vor allem Schulterzucken auslösen.
Das Bündnis gegen Dauerbefristung in der Wissenschaft kommentiert die Empfehlung des Finanzausschusses als "starkes Stück": Die befristet an den Hochschulen beschäftigten Wissenschaftler würden als "Kürzungsressource gesehen, nicht als Investition, die Forschungserfolge und Wirtschaftswachstum in der Zukunft überhaupt erst ermöglichen", sagt Sonja Bolenius, Referatsleiterin Hochschul- und Wissenschaftspolitik beim DGB, der Mitglied im Bündnis ist. Und sie fügt hinzu: "Völlig absurd wird es, wenn in den Ausschussempfehlungen im nächsten Absatz angeregt wird zu prüfen, ob die geplanten Reformen nicht mit klareren Karriereperspektiven verknüpft werden können."
Hatte ein entscheidendes Argument des BMFTR, keine Vorgaben für Anschlusszusagen in den Gesetzentwurf zu schreiben, nicht darin bestanden, dass das WissZeitVG nur den Rahmen für einen Kulturwandel hin zu neuen Personalkategorien setzen könne, der Aufbau von mehr unbefristeten Stellen aber eigenverantwortlich durch Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie die Länder geschehen müsse? Hier zumindest folgen die so gegensätzlichen Empfehlungen der Bundesrats-Ausschüsse einer gemeinsamen Logik: Beide widersprechen dieser Annahme.
Das Bündnis gegen Dauerbefristung in der Wissenschaft fordert in einer Petition, das Wissenschaftszeitvertragsgesetz lieber ganz abzuschaffen und lediglich eigene Regelungen für Promotionen an die Stelle zu setzen. Für alle anderen Fälle biete das Arbeitsrecht ausreichend Möglichkeiten.
Am Ende würde so eine Bundesrats-Stellungnahme aber wohl vor allem zu einem führen: Dass die WissZeitVG-Reform genauso bleibt, wie die Bundesregierung sie vorhat.
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In eigener Sache: Der Wiarda-Blog braucht mehr Unterstützer
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Alles außer Geld - Mein Wunsch an die Bildungsrepublik
Heute von Anja Hagen, Vorsitzende des EdTech-Verband e.V.:
"Ich wünsche mir einen gemeinsamen 'Do Tank': Die Bildungspolitik gibt vor, welches Problem gelöst werden soll (z.B. Basiskompetenzen) und die digitale Bildungswirtschaft erhält alle Möglichkeiten, um gemeinsam mit Schulen praxisorientiert digitale Anwendungen dazu zu entwickeln und zu erproben."
Foto: Frank Nürnberger, Berlin
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